Studentenjux und Lebertran

Seit 63 Jahren stochern Tübinger Studenten auf dem Neckar um Ruhm, Bier und ja, auch um übelriechendes Fischöl.

Der Ursprung

Bereits aus dem 16. Jahrhundert gibt es Darstellungen von Stocherkähnen in Tübingen und wohl spätestens seit dem 19. Jahrhundert sind diese fest mit der studentischen Tradition der Stadt verbunden.

Das Teilnehmerfeld im Jahr 1977.

Als Erfinder des Rennens in der heutigen Form gilt die Studentenverbindung des Tübinger Lichtensteins, die zur Einweihung ihres neu gestifteten Stocherkahns im Jahre 1956 ein Rennen auf dem Neckar ins Leben rief.

Aus der ursprünglich einmaligen Aktion und den sieben Mannschaften, die am ersten Rennen teilnahmen, wurden schnell mehr und das Stocherkahnrennen entwickelte sich schließlich zu einem festen Bestandteil der Tübinger Studentenkultur. Das ursprünglich auf Studentenverbindungen beschränkte Teilnehmerfeld wurde über die Jahre immer weiter geöffnet und so auch anderen Gruppierungen des studentischen Umfelds zugänglich gemacht.

Schon in den frühen Jahren traten einige Mannschaften kostümiert zum Rennen an. 1967 wurde daraus ein zweiter Wettbewerb: Zusätzlich zum Rennen wurde ein Kostümpreis ins Leben gerufen, der seither parallel zum Preis für den Sieger des Rennens verliehen wird. Die beste Kostümierung wird vor dem eigentlichen Rennen in einem gesonderten Kostümwettbewerb ermittelt.

Gerangel um den Kahn der Akademischen Turnverbindung Arminia (in rot-weiß) im Jahr 2009.

Das Stocherkahnrennen heute

Inzwischen hat sich das Stocherkahnrennen, das immer an Fronleichnam stattfindet, zu einer wahren Attraktion für Tübingen gemausert und lockt jährlich gut 15.000 bis 20.000 Zuschauer an den Tübinger Neckar, um die bis zu 60 Mannschaften auf ihrem 2,5 km langen Kampf gegen die Naturgewalt des Neckars und die eigene Unfähigkeit anzufeuern.

Als Preis erhalten die Sieger traditionell ein Fass Bier (Sieger des Rennens) und ein Spanferkel (Kostümwettbewerb), während sich die Verlierer mit einem Stärkungstrank aus einem halben Liter Lebertran pro Mannschaftsmitglied begnügen müssen. Als Trost erhalten sie das Privileg (und die Pflicht!) das nächste Rennen ausrichten zu dürfen.